Johannes Silentiarius, S. (59)

Johannes Silentiarius, S. (59)

59S. Johannes Silentiarius Conf., (13. Mai, al. 3. 7. 9. Dec. etc.). Dieser Heilige, mit dem Beinamen »der Stillschweigende« (Silentiarius, Ἡσυχαστής) wegen seiner Liebe zum Stillschweigen und zur Geistessammlung, wurde zu Nikopolis in Armenien im J. 454 von christlichen Etern geboren, die er aber frühzeitig verlor. Dadurch in den Besitz ansehnlicher Güter gelangt, vertheilte er diese unter die Armen und baute mit einem Theile zur Ehre der allerseligsten Jungfrau eine Kirche, daneben ein Kloster, und schloß sich mit 10 gleichgesinnten Freunden als ein Jüngling von 18 Jahren in dasselbe ein. Bald leuchteten seine Tugenden so aus der Verborgenheit hervor, daß der Bischof von Sebaste ihn nöthigte, die Einsamkeit zu verlassen und in einem Alter von 28 Jahren den bischöfl. Stuhl von Colonia (später Tanara, Taxara) in Armenien zu besteigen, auf dem er jedoch nur 10 Jahre lang saß; denn gewisse Uebel, denen er nicht abhelfen konnte, verbunden mit einem mächtigen Zuge zur Einsamkeit, veranlaßten ihn, sein bischöfliches Amt niederzulegen, wozu ihn auch noch ein nächtliches Gesicht ermunterte. Der hl. Bischof zog sich nun in eine Laure des hl. Sabas zurück, welche von 150 Mönchen bewohnt wurde. Sabas, der unsern Johannes aufnahm, ohne ihn zu kennen, stellte ihn unter die Leitung des Oekonomen; später übertrug er ihm die Sorge für die Aufnahme der Fremdlinge und konnte ihm bald ob seiner ungewöhnlichen Tugenden seine Liebe und Hochachtung nicht versagen. Um dem beschaulichen Leben sich ganz hingeben zu können, erhielt nun Johannes Erlaubniß, drei Jahre lang in einer abgesonderten Einsiedelei zu leben. Hierauf mußte er das Amt eines Oekonomen selbst übernehmen, das er musterhaft verwaltete. Sein hl. Abt hielt ihn nun des Priesterstandes würdig und stellte ihn dem Patriarchen Elias von Jerusalem zur Weihe vor. Als man in der Calvarienkirche, wo die Ordination stattfinden sollte, ange kommen war, sagte der Ordinand zum Patriarchen, er habe ihm ein Geheimniß zu eröffnen, nach dessen Eröffnung es sich erst zeigen werde, ob er der Weihe würdig sei. Elias nahm ihn nun bei Seite und versicherte ihm seine ganze Verschwiegenheit. Da sprach Johannes: »Mein Vater, man hat mich schon zum Bischofe geweiht; allein die Menge meiner Sünden hat mich bewogen, die Flucht zu ergreifen und in der Einsamkeit die Heimsuchung des Herrn zu erwarten.« Die Weihe mußte nun freilich unterbleiben, und Elias und Sabas, welch' letzterer noch eine eigene Offenbarung im Gebete empfangen, bewahrten sorgfältig das Geheimniß. Die vier folgenden Jahre verlebte Johannes in gänzlichem Stillschweigen. Als der hl. Sabas, von unzufriedenen Mönchen vertrieben, nach Scythopolis sich zurück zog, begab sich Johannes in seinem 50sten Lebensjahre in die Wüste Ruba, wo er 6 Jahre lang ohne allen Umgang mit Menschen zubrachte. Darauf führte ihn Sabas wieder zurück, und, Johannes diente noch viele Jahre dem Herrn, der ihn auch mit der Gabe der Wunder auszeichnete, bis er im J. 558 starb. Der gelehrte Mönch Cyrillus, welchen Johannes durch den Glanz seiner Heiligkeit ins Kloster zog, wurde sein Biograph. Die christliche Kunst stellt ihn dar als Bischof, den Finger auf den Mund gelegt (Sinnbild des Schweigens). Im Elenchus ist er am 9. Dec. angezeigt; aber im Mart. Rom. steht sein Name auch am 13. Mai. (III. 232.)



http://www.zeno.org/Heiligenlexikon-1858. 1858.

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