Kineburga, SS.

Kineburga, SS.

SS. Kineburga, Kineswitha et Tibba VV. (6. März). Die hhl. Schwestern Kineburga19 und Kineswitha20, welchen von Butler (III. 403) und Andern auch noch die hl. Kinedrida21 beigefügt wird, während die Bollandisten in ihrer Abhandlung am 6. März (I. 441) und auch am 31. Mai (VII. 417) sie als identisch mit der hl. Kineburga bezeichnen, waren Töchter des heidnischen Königs Penda von Mercien in England, der vom J. 626–655 regierte. Sie und ihre Blutsverwandte, die hl. Tibba, auch Cibba und Tilba genannt, werden besonders zu Peterborough (Petroburgum) in England verehrt. Die Geschichte dieser hhl. Jungfrauen, von denen die erste schon im I. Bande (S. 601) als Chinneburga (jedoch mit mehreren bei Bucelin vorkommenden Unrichtigkeiten) sich findet, wäre nach Aeußerung der Bollandisten hinreichend klar, wenn nicht der Mönch Wilhelm Somerset von Malmesbury in der Grafschaft Wilts, der nachher als Autorität galt, Verwirrung in dieselbe gebracht hätte, indem er und seine Nachgänger die Töchter des Königs Penda und die Söhne des Königs Oswy (Oswius, Oswio, Oswiu) öfter confundirten. Nach den Bollandisten stellt sich in Kürze Folgendes als das Wahrscheinlichste heraus: König Oswy von Bernicien (nördlicher Theil von Northumbrien oder Northumberland), Sohn des Königs Ethelfred und Bruder des hl. Oswald, dem er im J. 642 in der Regierung nachfolgte, hatte von seinem Nachbar, dem Könige Penda von Mercien, viel zu leiden, bis er ihn endlich im J. 655 bei Leeds in Yorkshire schlug und tödtete, so daß er nun Mercien (Mittel-England) und durch Besiegung des Königs Oswin auch Deira (südl. Theil von Northumberland) in seine Gewalt bekam. Dieser Oswy, der bei den Boll. am 15. Febr. (II. 804) als Oswius unter den Prätermissen sich findet, hatte nebst den drei Töchtern, von denen zwei den Namen Elfleda (s. S. Elfleda1) hatten und die dritte Ostrith hieß, noch vier Söhne, nämlich Alkfrid, Egbert (Egfrid), Elfwin und einen außerehelichen Sohn, der, nach dem Tode seines älteren Bruders geboren, dessen Namen erhielt und ebenfalls Alkfrid (Alchfrid, Aldfrid, Alfrid oder Alfred) hieß. Der ältere Sohn Alkfrid, der in gesetzlicher Ehe geboren und schon vor dem J. 553 verheirathet war, hatte zur Gemahlin die ältere Tochter des Königs Penda, Namens Cymburga oder Kineburga, welche wahrscheinlich vor ihrem Gemahle starb und vermuthlich die Mutter des Knaben Runwoldus war, den Einige als Heiligen verehren. Neben dieser hatte aber König Penda noch zwei andere Töchter, nämlich unsere hhl. Kineburga und Kineswitha, die sich schon in früher Jugend Gott gewidmet hatten. Von dieser hl. Kineburga meinen nun die Bollandisten, daß sie früher Kinedreda geheißen, daß aber ihre Mutter, die bei den Bollandisten den Namen Cinuise hat, bei Wilhelm von Malmesbury aber auch als Kineswitha vorkommt, nach dem Tode ihres Gemahls Penda und ihrer ältern Tochter Kineburga dieselbe zur Erinnerung an diese mit deren Namen belegt und nun auch Kineburga genannt habe. Nachdem König Oswy im J. 670 gestorben, folgte ihm sein Sohn Egbert (Egfrid), welcher mit der hl. Etheldreda (Edilihryda), der Tochter des Königs Anna von Essex, vermählt und nun, weil der ältere Alkfrid nicht mehr lebte, der Erstgeborne war. Da sein Bruder Elfwin schon im J. 679 als Jüngling von 18 Jahren im Kriege, und Egbert selbst im J. 685 bei den Picten umgekommen war, blieb nur der vierte, außereheliche Sohn Alfrid übrig, ein Jüngling von 18–20 Jahren, der die hl. Cuthburga (Cotburga), eine Schwester des hl. Königs Ina (s.d.) von Essex, zur Frau hatte und bei seinem im J. 705 erfolgten Tode als Erben seinen 8jährigen Sohn Osred hinterließ, der bis zum J. 716 regierte. – Obwohl König Penda die Predigt der christlichen Religion in seinem Reiche nicht verbot, ja sogar jene Christen, deren Leben ihrem Glauben nicht entsprach, haßte und verachtete, so schaffte er doch weder den Götzendienst ab, noch ließ er sich taufen; während dagegen seine 4 Söhne, Penda (Peada), Merwala (Merwald), Ethelred und Wulfher eben so wie seine 3 Töchter die christliche Religion annahmen und derselben eifrig ergeben waren. Peada, welcher eine von Oswy's Töchtern Elfleda zur Gemahlin hatte, wurde Christ im J. 653, starb aber bald nach seinem Vater (im J. 657). Merwala hatte von seiner Gemahlin Domneva ebenfalls drei Töchter, nämlich Milburga, Mildreda und Mitgitha (s.d.), welche nach ihrem Tode als Heilige verehrt wurden, und Wulfher (Wulpherus, Wlpherus, Wolferus), dessen Gemahlin die hl. Ermenhilde (s. S. Ermenilda) war, hatte von ihr als Tochter die hl. Werburga und als Sohn den Kenredus (s.d.). Dem Wulfher folgte im J. 675 sein Bruder Ethelredus4, der Gemahl der oben genannten Ostrith, welchen die Bollandisten am 6. März (I. 442. D.) als heilig bezeichnen, während sie ihn am 4. Mai (I. 436) nur unter den Prätermissen haben. – Diese der angelsächsischen Heptarchie angehörige königliche Familie, welche, wie die übrigen angelsächsischen Königsfamilien – z.B. der hl. Ethelbertus1 von Kent, Edwin, Oswald und Oswy von Northumbrien, Siegbert von Essex und Andere – sehr viel für die Einführung des Christenthums in England gethan22 und auch viele Klöster errichtet hatten, diese war es denn, welche zu Ehren des hl. Apostelfürsten Petrus das Kloster und die Stadt Peterburg (Petroburgum), früher Medeshamsted genannt, am Fluße Nen (Nena) in der Grafschaft Northampton gründete. Schon der König Peada hat nach Annahme der christlichen Religion im J. 656 dieses Kloster begonnen; ihm half hiebei ein angesehener Mann, Namens Saxulphus (Sexwulphus), welcher zuerst Abt des Klosters und dann Bischof von Lichfield wurde. Auch König Oswy, Peada's Schwager, beförderte das angefangene Werk; besonders aber thaten dieß seine Brüder Wulfherus, Merwala und Ethelredus. Die Bollandisten geben am 6. März (I. 442. nr. 5) das Diplom, durch welches Wulfherus im J. 664 die dem Kloster gemachten bedeutenden Schankungen bestätigte, und in welchem nicht blos sein Bruder Ethelredus, sondern auch seine zwei Schwestern, nämlich unsere hhl. Kyneburga und Kyneswida, die ebenfalls viel zu dieser Stiftung beitrugen, mitunterzeichnet sind. Von einer hl. Kinedreda geschieht weder in diesem Diplome, noch auch in den übrigen Actenstücken, in denen die andern zwei Schwestern vorkommen, eine Erwähnung, so daß sie also sicher identisch ist mit unserer hl. Kineburga. Daß die hl. Kineswitha mit dem König Offa von Essex verlobt gewesen, ist ebenfalls ein Irrthum, welcher, wie mehreres andere, denen zur Last fällt, die mit Wilhelm von Malmesbury die beiden Brüder Alkfrid zu Einer Person gemacht haben. Sie versetzten die ältere Kineburga (Cymburga), die mit dem älteren Alkfrid vermählt war, in die Zeiten des jüngeren (außerehelichen) Alkfrid, dessen Gemahlin die hl. Kuthburga23 war, welche noch zu Lebzeiten ihres Gemahls (wahrscheinlich im J. 700) mit seiner Einwilligung von ihm sich trennte, das Kloster Winburn gründete und dort als Abtissin starb. Sonst ist von unsern heiligen Jungfrauen wenig bekannt, als daß sie, nachdem sie von den Mönchen des Klosters Peterburg im christlichen Glauben noch näher unterrichtet worden waren, in der Nähe desselben an einem Orte, welcher Dormecaster und auch blos Caster genannt wird, ein zurückgezogenes heiliges Leben führten, dann nach ihrem Tode, in welchem die hl. Kineburga ihrer Schwester (wahrscheinlich vor dem J. 680) voranging, in der Kirche zu Peterburg24 begraben und dort als Patroninnen verehrt wurden. Mehreres von ihnen wäre wohl in den Acten enthalten gewesen, welche beim Einfalle der heidnischen Dänen zu Grunde gegangen sind. Diese zerstörten nämlich im J. 870 nebst anderen Klöstern auch das von Peterborough, mordeten sämmtliche Mönche, traten die Leiber der hhl. Kineburga, Kineswitha und Tibba, die hier zum Erstenmale genannt wird, mit Füßen und brannten schließlich alles nieder. Allein der Mönch Tungarus, der diesem Blutbade wunderbar entronnen war, zeigte dem Prior von Ankarig den Ort an, wo die heil. Leiber lagen, worauf sie nach Möglichkeit gesammelt und im Oratorium zu Ankarig beigesetzt wurden. Hundert Jahre blieb Peterborough in Asche, bis es unter König Edgar vom hl. Bischof Ethelwoldus von Winchester, der sich um die Erbauung von Kirchen sehr verdient machte, um das J. 970 wieder hergestellt und mit Mönchen bevölkert wurde. Dieser Bischof erbaute das Kloster zu Ehren der hl. Kineburga und Kineswitha und brachte im J. 980 ihre Leiber dahin, bis ein wiederholter Einfall der Dänen unter König Swen im J. 1013 den Abt sammt dem größten Theil des Convents zwang, sich mit den heil. Leibern zu flüchten. Als auch dieser Sturm vorüber war, wurden die heil. Leiber unter großem Pompe wieder nach Peterborough zurückgebracht. Ingulf, Abt des Klosters Croyland unter Wilhelm dem Eroberer, sagt, daß beide Schwestern durch Enthaltsamkeit sich ausgezeichnet hätten. Von der hl. Tibba heißt es bei Capgrave, sie sei eine Blutsverwandte der hhl. Schwestern Kineburga und Kineswitha gewesen und habe viele Jahre lang in großer Heiligkeit ein einsames Leben geführt – ob mit den genannten zwei heil. Schwestern oder doch in ihrer Nähe, ist nicht angegeben; allein aus dem Umstande, daß sie mit denselben begraben worden, läßt sich annehmen, daß sie wenigstens nicht weit von ihnen entfernt gewesen sei. Das Fest der hl. Tibba steht in einigen Martyrologien am 13. Dec., an welchem Tage sie, wie sie selbst einem frommen Manne geoffenbart haben soll, gestorben ist. Das Fest der hhl. Kineburga und Kineswitha steht in einigen Martyrologien am 5. März, die Bollandisten 6. März aufgeführt. (I. 441–447).



http://www.zeno.org/Heiligenlexikon-1858. 1858.

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