Guilielmus, S. (13)

Guilielmus, S. (13)

13S. Guilielmus (Willelmus), (28. Mai, al. 10. Febr.), Herzog von Aquitanien und Graf von Toulouse. dann Stifter und Mönch von Gellone oder Valgellon, wird, wie auch fünf von den übrigen neun Herzogen Wilhelm von Aquitanien (nämlich der I., IV., VII., VIII., IX.), öfter mit der hl. Wilhelm von Maleval, dem Stifter der Wilhelminer oder Guilielmiten, welcher bei den Bollandisten (Febr. II. 433) der Große heißt, verwechselt. (S. S. Guilielmus3). Deßwegen hat der Bollandist Henschenius (Febr. II. 433–443) eine lange Abhandlung, in welcher die dunkle Geschichte dieser verschiedenen Wilhelme auseinander gewirrt ist. Und da nach dem Vorgange des Saussayus und Anderer auch anderswo, z. B. in Vogel's »Legende der Heiligen« (I. 247), ja selbst in W. W. (K.-L. XI. 1096), eine solche Verwechslung vorkommt, so wollen wir das Wesentliche aus dieser Untersuchung mittheilen und zwar zuerst von dem oben bezeichneten hl. Wilhelm sprechen, welchen die Bollandisten am 28. Mai (VI. 809) ausführlicher behandeln. Seine Geburt fällt in die Zeit Pipins, des Vaters Karls des Großen. Sein Vater war Graf Theodorich und seine Mutter hieß Aldana. Sie stammten Beide aus französischen Geschlechtern und erzogen ihren Sohn sorgfältig, indem sie ihn sowohl in der Frömmigkeit, als auch in allen ritterlichen Künsten unterrichteten. Nach dem Tode Pipins wurde Wilhelm, welcher inzwischen zum Jüngling herangewachsen war, von seinen Eltern dem Kaiser Karl dem Großen empfohlen und leistete zur größten Zufriedenheit desselben Dienste bei Hof. Da er sich durch besondere Tapferkeit auszeichnete, wurde er gegen die Saracenen, die bereits Frankreich zu überschwemmen drohten, vom Kaiser Karl abgesendet, indem er ihm zugleich die Würde eines Herzogs (Dux) von Aquitanien ertheilte. Er schlug die Saracenen in mehreren Treffen und verschaffte dem christlichen Namen in jenen Gegenden wieder Freiheit und Glanz, wobei er sich zugleich selbst durch die größte Frömmigkeit und Gerechtigkeitsliebe auszeichnete. Doch dieses Alles war noch zu wenig in seinen Augen, und er faßte daher auf höheren Antrieb den Entschluß, dem Könige des Himmels ein neues Kloster zu bauen. Indem er nun nach einem hiefür passenden Orte sich umsah, fand er einen solchen im Bisthum Lodève (Luteva, Ludevum) in einem Thale, welches Gellone (Gellon) hieß und eine Stunde von der berühmten Abtei Aniane entfernt war. Hier baute er um das J. 806 ein Kloster und bevölkerte es mit Mönchen aus benachbarten Klöstern, namentlich aus Aniane. Auch ein Frauenkloster baute er in der Nähe, in welches seine zwei Schwestern Albana und Bertana eintraten. Er selbst aber begab sich wieder an den kaiserl. Hof, wo er mit allen Ehren aufgenommen wurde.

Da ihn aber stets der Gedanke drängte, ebenso zuziehen, erbat er sich bei Kaiser Karl seinen Abschied, den ihm dieser unter Thränen und Anerbietung großer Geschenke gewährte. Doch der hl. Wilhelm nahm nichts, sondern erbat sich nur jenes Stück vom heil. Kreuze, welches dem Kaiser aus Jerusalem gesendet worden war. Mit schwerem Herzen erfüllte Kaiser Karl diese Bitte. Als Wilhelm's Freunde seinen Vorsatz zu erschüttern sich bemühten, blieb er unbeweglich und begab sich zunächst in die Auvergne, wo er in Brioude (Brivate) in der Kirche des hl. Martyrers Julianus seine Waffen aufhängte, nachdem er ein reiches Geschenk auf den Altar gelegt hatte. Von da eilte er durch sein Herzogthum Aquitanien (Guienne), ohne sich dort irgend zu verweilen, nach dem Kloster Gellone, wo ihm der Abt mit den Brüdern mit größter Ehrfurcht entgegen ging und ihn in die Kirche führte. Hier legte er außer anderen kostbaren Geschenken auch das vom Kaiser Karl erhaltene Stück des heil. Kreuzes auf den Altar. Nachdem er längere Zeit gebetet hatte, eröffnete er dem Convente sein Vorhaben, und unter freudiger Verwunderung wurde ihm die Aufnahme gewährt. Er erhielt nach Migne und Butler (II. 540 f.) den Habit aus den Händen des hl. Benedictus3 Anianus, welcher ihm geistlicher Lehrer und Vater wurde. War er in der Welt ein Muster eines christlichen Fürsten gewesen, so zeichnete er sich nun als Mönch durch Demuth und Gehorsam aus. Endlich starb er am 28. Mai 812 und wurde in seinem Kloster begraben, welches später nach ihm den Namen »St. Wilhelm in der Wüste« (St-Guillelm du desert) erhielt. Auf Bildern ist er sehr verschieden dargestellt. Oft sieht man ihn mit den höllischen Geistern im Gebetskampfe ringen; manchmal liegt der Teufel als Drache überwunden zu seinen Füßen. Dabei fehlen nie Erinnerungen an seine frühere Stellung in der Welt. (VI. 809.)

Zur näheren Aufklärung in dieser Sache, und da der obige hl. Wilhelm namentlich auch mit dem letzten Herzog Wilhelm von Aquitanien öfter verwechselt wird, wollen wir aus der oben bezeichneten Abhandlung des Bollandisten Henschenius die Reihenfolge der Herzoge von Aquitanien und Grafen von Poitou, von welchen mehrere bei den Bollandisten (Febr. II. 378) unter den »Uebergangenen« vorkommen, kurz angeben:

1) Wilhelm I. mit dem Beinamen »der Fromme« (Pius), der Sohn des Herzogs Bernhard von der Auvergne und seiner Gemahlin Hermengard, war Herzog im ersten Aquitanien.127 Er ist der Stifter des im J. 890 gegründeten weltberühmten Klosters Clugny. Seine Gemahlin hieß Ingelberga. Kinder hat er keine hinterlassen, wohl aber Enkel von seiner Schwester Adalnidis, darunter ebenfalls ein Herzog Wilhelm von Aquitanien, dessen Vater Acfred hieß. Da obiger Wilhelm der Fromme zu gleicher Zeit die Vormundschaft über Ebolus, den unmündigen Herzog vom zweiten Aquitanien führte und auch die Regierung über dasselbe leitete, so kommt es, daß er der erste Herzog von diesem zweiten Aquitanien genannt wird.

2) Wilhelm II. (I.) folgte im zweiten Aquitanien als der Sohn des im J. 935 gestorbenen Ebolus. Er hatte den Beinamen »Flachskopf« (Caput stupae) und wäre eigentlich als Wilhelm I. im zweiten Aquitanien zu zählen, wie er andererseits als Herzog Wilhelm IV. dasteht, wenn man alle bisher genannten Herzoge Wilhelm von Aquitanien überhaupt, nämlich den von Gellone, dann den »Frommen« und seinen Enkel, sowie den so eben angegebenen beziffert, der um das J. 963 starb.

3) Wilhelm III. (II.) war sein Sohn und Nachfolger, welcher nach Pierer (XXXIV. 84) im J. 994, nach Andern im J. 1000 starb.

4) Wilhelm IV. (III.) des Vorigen Sohn, bekam den Beinamen »Eisenarm« (Ferreum brachium, Fierabras) und starb in hohem Alter am 31. Januar 1030. Derselbe hatte dreimal geheirathet; die erste Frau, Adalmodis, gebar ihm den Wilhelm, welcher ihm unmittelbar nachfolgte; die zweite, Namens Brisca, den Odo und den als Knabe gestorbenen Thetand; von der dritten, Agnes, hatte er außer der Tochter Agnes, welche im J. 1043 zu Ingelheim mit dem Kaiser Heinrich III. vermählt wurde, noch die Söhne Petrus und Gaufred Wido.

5) Wilhelm V. (IV.), des Vorigen ältester Sohn, folgte seinem Vater in der Herrschaft. Sein Tod erfolgte nach Henschenius im J. 1036 (nach Pierer 1038). Sein Stiefbruder Odo aus der zweiten Ehe regierte nur kurze Zeit.

6) Wilhelm VI. (V.) sein Bruder und Nachfolger, hieß eigentlich Petrus und nannte sich Wilhelm nur zur Erinnerung an seinen Vater Wilhelm IV. Er starb im J. 1058.

7) Wilhelm VII. (VI.) aus der dritten Ehe seines Vaters Wilhelm IV., hieß eigentlich Gaufred Wido, änderte aber auch seinen Namen nach seinem Vater. Er lebte bis zum J. 1086.

8) Wilhelm VIII. (VII.), dessen Sohn, geboren 1071, folgte im J. 1086 und starb am 10. Febr., nach Pierer im J. 1127.

9) Wilhelm IX. (VIII.) war des Vorigen Sohn und Nachfolger und beschloß im J. 1137 die Reihe der Herzoge von Aquitanien, welches Land durch seine Tochter Eleonora zuerst an Frankreich, dann aber an England kam, bei welchem es 300 Jahre lang blieb, bis es endlich im J. 1453 unter König Karl VII. dauernd zu Frankreich kam und bei demselben auch blieb. S. Guilielmus41. (Febr. H. 433.)



http://www.zeno.org/Heiligenlexikon-1858. 1858.

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