Matthaeus, S. (4)

Matthaeus, S. (4)

4S. Matthaeus, Ap. et Evang. (21. Sept. al. 6. Mai, 16. Nov., 16. Dec.). Vom hl. Apostel und Evangelisten Matthäus ist außer dem Wenigen, was die Evangelien über ihn sagen, beinahe nichts Zuverlässiges bekannt. Als Jesus ihn berief, war er Zöllner, also entweder im Dienste eines römischen Zollpächters oder selbst ein solcher zu Kapharnaum. Hier traf ihn der Herr nach der Heilung des Gichtbrüchigen beim Seeufer am Zollhause sitzen und sprach zu ihm: »Folge mir nach!« Und er stand unverweilt auf und folgte Ihm nach. (Matth. 9,9.) Sein Vater hieß (Marc. 2,14. Luc. 5,27.) Alphäus, er selbst vor seiner Berufung Levi, welchen Namen er aber ganz ablegte. Sowohl hieraus als aus seiner frühern Beschäftigung muß geschlossen werden, daß er von Geburt ein Jude war. Ob er aus Galiläa stammte, wie die meisten übrigen Apostel, ist ungewiß. Er war der Siebente unter den berufenen Aposteln, und diese Stelle nimmt er auch (bei Marcus und Lucas) im Apostelverzeichnisse ein. Daß er sich in seinem Evangelium weiter zurücksetzte, geschah ohne Zweifel aus Demuth. Das ihm wiederfahrene Heil sollte sein eigener Name (Matthäus, so viel als Gottesgabe, Theodor) bezeugen und besiegeln. Er nahm Jesus in sein Haus auf und bereitete ihm ein Gastmahl, dem viele andere Zöllner und Sünder beiwohnten, die alle Nachfolger Jesu wurden. Er verfaßte das erste Evangelium, und zwar nach Annahme Vieler in hebräischer, eigentlich syro-chaldäischer Sprache. Ein Exemplar in dieser Sprache wurde von Pantänus, Vorsteher der christlichen Akademie zu Alexandria, im zweiten Jahrhunderte im südlichen Arabien aufgefunden. Schon zur Zeit des hl. Hieronymus kannte man nicht einmal mehr den griechischen Uebersetzer, wiewohl die Ueberlieferung den hl. Jacobus den Jüngern als solchen bezeichnet. Er schrieb zunächst für die Christen in Palästina und in der besondern Absicht, die Juden durch die Zusammenstellung großartiger Gemälde von den Lehren und Wundern Jesu zu überzeugen, daß alle Weissagungen der Propheten an Ihm in Erfüllung gegangen seien, daß Er ein Sohn Davids und Abrahams, der wahre, von Gott verheißene Messias sei. Die Zeit der Abfassung wird von den besten Schriftstellern zwischen die Jahre 63 und 67, also noch vor die Zerstörung Jerusalems gesetzt. Von seinem Leben und seiner apostolischen Wirksamkeit weiß die Tradition beinahe nichts. Eine solche besagt (Schegg, Evang. I. 4), daß er nach der Wahl der Diakonen, an welcher er theilnahm, noch zwölf Jahre in Palästina gepredigt habe, und alsdann zu den Heiden gegangen sei. Unter den Heidenländern nennt man vorzugsweise Arabien und Aethiopien, sogar Parthien und Indien, als Feld seiner Thätigkeit. Nach dem Zeugnisse des hl. Clemens von Alexandria (Paed. II. 1) aß er nie Fleisch. Schon zur Zeit des hl. Chrysostomus wußte man mit Sicherheit nicht Mehreres zu erzählen. Dieser nämlich lobt ihn nur aus dem Evangelium. Allein eben dieses bietet in seinem Namen, in seiner Berufung und Bekehrung, in seinem Eifer für dessen Ausbreitung Beweggründe genug, sowohl für seine Verehrung, als auch für seine Anrufung und Nachahmung. Später wurde auch eine Liturgie seines Namens bekannt und von Einigen, z.B. dem Cardinal Bona, für ächt gehalten, aber alle ältern Zeugnisse schweigen darüber. Ueber Art, Ort und Zeit seines Todes schwankt die Ueberlieferung. Viele sind der Meinung, daß er die Zerstörung Jerusalems nicht mehr erlebt habe. Um die Zeit des Venantius Fortunatus, in der zweiten Hälfte des sechsten Jahrhunderts, glaubte man, er sei in der Stadt Naddaber in Sennaar gestorben.142 Ob als Martyrer oder natürlichen Todes wie Herakleon will, ist noch weniger zu bestimmen. Nach Einigen wäre er verbrannt, nach Andern mit einem Speere getödtet worden. Die darüber handelnden angeblichen Acten, und was aus denselben im Brevier gelesen wird, ist unzuverlässig.143 Namentlich verdient nach den Boll. durchaus keinen Glauben, was darin über die Zustände des Aethiopischen Reiches gesagt ist. Doch sollen (nach Oct. VIII. 174) aus eben diesem Reiche seine Reliquien nach der Bretagne gekommen seyn (im J. 825), während andererseits auch die Stadt Salerno auf dieselben Anspruch macht. In der Metropolitankirche daselbst ruht nämlich (Ugh. Ital. VII. 349) seit dem J. 930 der ganze Leib des Apostels mit Ausnahme eines Zahns und des rechten Arms. Er ist auch Stadt- und Bisthums-Patron daselbst; die prachtvolle, ihm geweihte Kirche mit der seine Reste bergenden, in Marmor und Mosaik prangenden Unterkirche ist durch Robert Guiscard erbaut und trägt die Inschrift:


A duce Roberto donaris Apostole templo,

Pro meritis regno donetur ipse superno.


Der hl. Papst Gregorius VII., welcher um jene Zeit lebte und gleichfalls hier ruht, beglückwünschte den damaligen Erzbischof Alphanus I. (1056–1085), daß er die Gebeine des Apostels aufgefunden hätte. Der oben erwähnte rechte Arm des Apostels wurde nach Benevent geschickt. Merkwürdig ist die Notiz, die wir übrigens außer bei Piazza (II. 280) nirgends gefunden haben, daß man in Rom von diesem hl. Apostel den Gebrauch des Weihwassers ableitet. Nach eben demselben Schriftsteller finden sich in mehreren Kirchen Roms Reliquien vom hl. Matthäus, z.B. in St. Maria Maggiore, St. Marcello, St. Nicolo in carcere u. A. Die christliche Kunst stellt ihn, abgesehen von jenen Bildnissen, welche der heiligen Geschichte entnommen sind, wie z.B. seine Berufung oder die Darstellung von ihm beschriebener Ereignisse und Thatsachen, wobei er dann als Zuschauer erscheint, gewöhnlich dar, das Evangelium schreibend, an der Seite eines geflügelten Menschen oder Engels, der ihm nicht selten das Dintenfaß hält oder andeutet was er schreiben soll, und ohne denselben mit der Buchrolle seines Evangeliums, oder auch als Apostel-Martyrer, den Speer oder ein Beil, das allgemeine Zeichen des Martyrthums (Hack, S. 40) in der Hand, zuweilen mit dem Geldbeutel zur Hinweisung auf sein um Christi willen verlassenes Amt. Warum er hie und da ein Winkelmaß trägt, ist bisher nicht genügend erklärt. Das zu seiner Ehre bestimmte Kirchengebet bittet um Unterstützung unserer Unvermögenheit durch seine Fürbitte. Die auf dieselbe erfolgten Gebetserhörungen, wie Stillung einer Feuersbrunst, Errettung von höllischen Nachstellungen, die bekanntlich durch Drachen sinnbildlich dargestellt werden, sind gleichfalls öfter Gegenstand der ihn behandelnden Abbildungen. Die Griechen feiern sein Fest am 16. December. Im Mart. Rom. findet er sich am 21. Sept., bei Ughellus am 16. November. In Salerno wird das Fest seiner Uebertragung am 6. Mai begangen. (VI. 194–227).



http://www.zeno.org/Heiligenlexikon-1858. 1858.

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