Nilus, S. (4)

Nilus, S. (4)

4S. Nilus, Erem. Conf. (12. al. 5. Nov.). Dieser hl. Einsiedler heißt zum Unterschiede von dem eben behandelten »der Aeltere.« Seine Lebenszeit fällt in das Ende des 3. und die erste Hälfte des 4. Jahrhunderts. Als seine Geburtsstadt wird Ancyra in Galatien angegeben. Daß er eine sorgfältige, fromme und wissenschaftliche Erziehung genossen hat, ist aus seinem Leben und seinen Schriften zu ersehen. Seine Abkunft ist unbekannt. Eine Zeit lang soll er das Amt eines Statthalters in Constantinopel begleitet haben, aber auch dieß ist ungewiß. Endlich scheint er nur deßhalb, weil er des hl. Chrysostomus Schriften mit allem Eifer gelesen und sich für dieselben erklärt hatte, dessen Schüler genannt worden zu seyn. Mit Beistimmung seiner Ehegattin zog er sich um d.J. 390 zu den Anachoreten auf den Berg Sinai zurück, welche in abgesonderten Zellen und Höhlen ein äußerst strenges Leben führten. Seinen ältern Sohn Theodul nahm er mit sich, während die Tochter, (oder wie Andere sagen, der jüngere Sohn) bei der Mutter zurückblieb. Sie sollen in Egypten den Schleier genommen haben. Er führte nicht bloß ein abgetödtetes und einsames, sondern zugleich überaus thätiges Leben, indem er viele Schriften herausgab, in welchen er theils die Reinheit des Glaubens gegen die Ketzereien seiner Zeit vertheidigte, theils allerlei Ermahnungen und Rathschläge zu einem frommen und gottgefälligen Leben ertheilte. Besonders kräftig führte er die Vertheidigung des hl. Johannes Chrysostomus, welchen der Kaiser Arcadius damals mit unversöhnlichem Hasse verfolgte: »Du hast,« schrieb er diesem, »den Bischof Johannes verbannt, dieses größte Licht der Welt, und zwar ohne alle Ursache, bloß leichtsinnig hingerissen von unweisen Bischöfen!« Ein großes Leiden verursachte ihm die Ermordung vieler Mönche und die Gefangennahme seines Sohnes durch die Saracenen, welcher aber wunderbar dem Tode entging und von seinem Vater zu Eleusa wieder gefunden wurde. Beide, Vater und Sohn, empfingen hier die Priesterweihe. Hierauf begaben sich Vater und Sohn wieder in ihre stille Einsiedelei auf dem Sinai, mit dem Vorsatze, sich dem Dienste Gottes mit noch größerem Eifer als zuvor zu ergeben. Sein Todesjahr ist unbekannt. (Vgl. W. W. K.-L. VII. 612 und Stolberg, Gesch. der Relig. XIV. 163 ff.) Das Mart. Rom. sowie die griech. Martyrologien gedenken seiner zum 12. Nov. Seine irdischen Reste wurden in die Apostelkirche nach Constantinopel übertragen. Einige seiner Denksprüche finden sich bei Cotelerius (Eccl. gr. mon. I. 573 ff.) zusammengestellt. Er sagt z.B.: »Was du immer aus Rache gegen einen Bruder, welcher dich beleidiget hat, thun magst, wird dir zur Zeit des Gebetes Alles schwer auf das Herz fallen.« Und: »Wolle nicht, daß deine Angelegenheiten sich so verlaufen, wie du willst, sondern so, wie es Gott gefällt, so wirst du allzeit unverwirrt und wohlbegnadigt in deinem Gebete seyn.« Wieder: »Selig ist der Mönch, welcher sich selbst für den Kehricht Aller ansieht.«Eben so: »Liebst du Gott, so besitzest du auch die große Kunst des Betens, und hast du diese, so wirst du Gott immer mehr lieben. Wie das Sehen der vollkommenste Sinn, so ist das Gebet die erhabenste Tugend.« Endlich: »Ein Mönch, der nicht seine Zelle hütet, ist ein vertrockneter Zweig.« Im Mart. Rom. der Basilianer findet er sich zum 5. November. Seine Schriften sind bei Aschbach, K.-L. IV. 332 in folgender Weise kurz namhaft gemacht: 255 Briefe; einige Aufzeichnungen (narrationes) über seine Lebensschicksale, ein Enchiridion christianum; Reden, Erklärungen von einzelnen Bibelstücken, Epigramme und mehrere moralische und ascetische Abhandlungen.



http://www.zeno.org/Heiligenlexikon-1858. 1858.

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