Liberatus de Lauro, BB. (6)

Liberatus de Lauro, BB. (6)

6BB. Liberatus de Lauro, Humilis et Pacificus, (26. Aug., al. 6. Sept.), Bekenner aus dem Orden der »Mindern Brüder« in der Mark Aneona um das Jahr 1234. Der sel. Liberatus de Lauro135 war Graf eines Ortes, der später aus Ehrfurcht und zum Andenken an denselben »San Liberato« genannt wurde. Er trat zu Suffiano, in der Deleg. Macerata, in der Nähe von Sernano im Gebiete von St. Ginesio, in den Orden der Mindern Brüder, und wurde wegen seiner Weltverachtung und Demuth von Allen wie ein Heiliger verehrt, wie er dennauch wirklich bei Einigen den den Beinamen Sanctus hat. Er ist übrigens nach den Bollandisten, die ihn auch am 6. Sept. (II. 652 f.) haben, aus der edlen Familie von Brunforte abstammen lassen und seinen Tod auf den 6. Sept. 1258 setzen, jener »Unbekannte« (Incognitus), von dem wir schon oben (S. 37 f.) sprachen, und welcher in Hub. Men. am 6. Sept. vorkommt mit dem Beifügen, er sei zu Suffiano im Picenischen um das J. 1234 durch seine Tugend und Heiligkeit allgemein bekannt geworden; denn er sei in seinen Betrachtungen immer mit Gott vereinigt gewesen, so daß er wie ein zweiter Moyses geglänzt habe; er habe wenig, dann aber wie ein Engel geredet, so daß alle Brüder die größte Ehrfurcht vor ihm hatten, und sei dann am Ende in Gegenwart seiner Brüder freudig zu Gott heimgegangen; er sei zwar Liberatus, welche den Titel »selig« und sonst auch Manches mit unserm sel. Liberatus gemein haben, nämlich am 14. April ein B. Liberatus a Prufortio, welcher aus einem reichen Grafen ein armer Jünger des hl. Franciscus geworden sei und von Papst Cölestin V. mit seinem Gefährten Petrus von Macerata ein Diplom erhalten habe, nach welchem er der Clarenischen Reformation folgen und so die Seraphische Regel mit seinen Anhängern ngch gller Strenge beobachten durfte; er sei von Papste mündlich als »selig« und »heilig« erklärt worden, weßwegen die Einwohner der Mark Ancona (Marchiani) ihn als einen Patron verehren. Fast das Nämliche – nur etwas ausführlicher – ist dort am 26. Aug. von B. Liberatus a Vena gesagt, daß er nämlich Graf eines Ortes gewesen sei, der setzt San Liberato heiße, daß er dann, weil ihm die im Seraphischen Orden eingerissene leichtere Lebensweise nicht dehagte, aus Eifer für die strengere Beobachtung der heil. Regeln nach dem Rathe frommer Väter mit dem Petrus von Macerata von Papst Cölestin V. ein Diplom erbeten und erhalten habe, nach welchem er der Reformation des Ordens sich widmen und mit seinen Anhängern die Regel nach aller Strenge beobachten durfte; daß er ferner vom apostolischen Stuhle als Superior aufgestellt, besonders in der Mark Ancona durch sein Lebensbeispiel viel gewirkthabe; daß er endlich um das J. 1307 gestorben und von einem Papste mündlich für würdig erklärt worden sei, daß er als »selig« oder »heilig« öffentlich verehrt werde etc. Daß nun in einigen Franciscaner-Conventen schon frühzeitig bedeutende Laxitäten besonders in Bezug auf die heil. Armuth vorkamen, und daß Papst Cölestin V., der vom 29. Aug. bis 22. Dec. 1294 regierte, einigen Eiferern die Erlaubniß zu einer Reformation des Ordens gab, die man dann (nach Einigen von dem Berge Clarus, nach Andern aber richtiger von dem Flusse Clarenus, an welchem sie zuerst ein Kloster hatten) die Clarenische nannte, ist gewiß und wurde schon früher136 bemerkt; aber daß unser sel. Liberatus von diesen beiden Liberatus, welche offenbar identisch sind und auf welche sicherlich Manches von unserem sel. Liberatus übertragen ist, ganz verschieden sei, geht wohl schon daraus hervor, daß unser sel. Liberatus nach den Bollandisten schon im J. 1258. starb, während Papst Cölestin V., unter welchem die Clarener entstanden, erst im J. 1294 regierte. Allerdings war ein Fr. Liberatus der erste Superior der Clarener oder »armen Eremiten«, auf welchen dann der sel. Angelus7 folgte; aber der selbe war vermuthlich kein anderer als der Petrus von Macerata137, welcher nach W.W. (IV. 173) mit Petrus von Fossombrone vom Papste Cölestin V. die Erlaubniß zur Reformation des Ordens erlangte und später den Namen Liberatus annahm, so wie Petrus von Fossombrone den Namen Angelus angenommen haben soll. Nach W.W. (IV. 174) wäre dieser Petrus (Liberatus) von Macerata der Urheber der Fraticellen oder Bizzochen138, die wegen ihrer Unbotmäßigkeit in der Kirche Gottes viel Unheil anrichteten, gewesen. Mag nun dieses richtig seyn oder nicht, und mögen auch dieser Liberatus und Petrus von Macerata zwei verschiedene Personen seyn, wie von Vielen angenommen wird; jedenfalls sind von mehreren Schriftstellern139 zwei Liberatus miteinander confundirt worden, und war, wie die Bollandisten pag. 842 f. nachweisen, eine Verwechslung mit diesem Liberatus von Macerata die Ursache, daß die unserem sel. Liberatus de Lauro (von Suffiano oder von Brunforte) schon bald nach seinem Tode gezollte kirchliche Verehrung von der S. R. C. im J. 1730 aufgehoben, jedoch im J. 1731 nach genauerer Untersuchung wieder gestattet wurde. Wenn nun auch die Bollandisten ausdrücklich bemerken, daß unser sel. Liberatus am 6. Sept. 1258 gestorben sei, so stellen sie doch nicht in Abrede, daß er um das J. 1234 in Suffiano gelebt habe. – Um diese Zeit lebten nun dort als Mitglieder desselben Ordens auch zwei leibliche Brüder, Namens Humilis und Pacificus, welche bei den Bollandisten am 7. Aug. (II. 183) nach Art. Mart. unter den Prätermissen vorkommen. Von diesen wird Folgendes erzählt: Als der sel. Humilis, der auch aus dem Picentinischen (der Mark Ancona) war und daher den Beinamen Picenus hat, starb, sah sein an einem andern Orte gerade sich aufhaltender Bruder Pacificus seine Seele zum Himmel aufsteigen. Da nach Abfluß mehrerer Jahre auf Verlangen der Herren von Brufort der Convent zu ihnen transferirt ward, wurden von den Minoriten die Leichen ihrer verstorbenen Mitbrüder, also auch der Leib des sel. Humilis, ausgegraben. Der mit den andern Brüdern hiemit beschäftigte Pacificus sammelte hiebei die Gebeine seines Bruders, wusch dieselben mit Wein und küßte sie mit größter Ehrfurcht. Befragt darüber, warum er die Gebeine seines Bruders mehr verehre, als die der andern Mönche, erwiederte er, nicht Fleisch und Blut veranlasse ihn hiezu, sondern ein vor Jahren schon gehabtes Gesicht, in welchem ihm bedeutet worden, daß diese Gebeine einst im Himmel werden verherrlicht werden, weßhalb es sich gezieme, daß man sie auch auf Erden ehre. Nicht lange darnach starb auch Pacificus an demselben Orte und wurde an der Seite seines Bruders und des sel. Liberatus begraben. Alljährlich wird nun zu San Liberato das Fest dieser 3 gottseligen Männer am 26. Aug. unter großem Zulauf des Volkes gefeiert. Auch am Ostermondtage werde ihr Fest gefeiert, und an diesem Tage fließe aus ihrem Grabe ein Manna, welches vom Volke gesammelt werde etc. Im Mart. Rom. ist ihr Name nicht enthalten. (V. 840–845).



http://www.zeno.org/Heiligenlexikon-1858. 1858.

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